Gottlieb Josef Gabriel Findel
21.10.1827 (Kupferberg, Bay) -23.11.1905 (Leipzig)

verheiratet mit Linna Findel, geb. Leipoldt (14.4.1834-9.10.1910)
Kind: Gabriel Julius Hermann Findel (23.12.1866-15.12.1927)

G.J.G.Findel Portrait Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, bezog er das Gymnasium in Bamberg, wo er sich bereits mit literarischen Arbeiten beschäftigte, und kam mit sieben Gulden in der Tasche an die Münchner Universität. 1849 tat er sich bei Studentenversammlungen hervor, mehrere scharfe Artikel aus seiner Feder trugen ihm eine zehnmonatliche Untersuchungshaft ein. Er wurde amnestiert, gab das Studium auf und wurde Buchhändler und Schriftsteller. Aus der katholischen Kirche war er ausgetreten und hatte sich der freireligiösen Gemeinde angeschlossen. Während seiner Lehrzeit in einer großen Buchhandlung in Heidelberg (welche?) besuchte er Vorlesungen an der Universität. Seine freimaurerische Laufbahn ist sehr bewegt. 1856 in der Loge "Eleusis" in Bayreuth aufgenommen, schloß er sich 1858 der Loge "Minerva" in Leipzig an und wollte nach vorübergehender Rückkehr zu seiner Mutterloge 1872 zur Loge "Apollo" hinüberwechseln; da er dort Schwierigkeiten begegnete, die, wie schon vorher, nicht zuletzt auf seine Schreibweise zurückzuführen waren, trat er der Loge "Zum Morgenstern" in Hof bei, aber auch hier hielt es ihn nicht, und er schied 1891 in Unfrieden von der Bauhütte; 1898 finden wir ihn in der Loge "Johannes zum wiedererbauten Tempel" in Ludwigsburg. Die Leipziger Logen hatten ihm den Besuch gesperrt. Erst die aus der "Minerva" hervorgegangene Loge "Phönix" nahm ihn wieder auf. F. söhnte sich dann mit den Leipziger Verhältnissen langsam wieder aus.

Auf die freimaurerischen Verhältnisse seiner Zeit gewann er besonderen Einfluß durch die gemeinsam mit Dr. Rudolf Seydel begründete Zeitschrift "Die Bauhütte". Bauhütte Titel F., ein ausgezeichneter, scharfer Journalist, eine ungestüme, von leidenschaftlicher Hingabe an die freimaurerische Sache erfüllte Kampfnatur, deckte in dieser Zeitung rücksichtslos Schäden im Bunde auf und redete einem zeitgemäßen Fortschritt das Wort. Daß er sich hierdurch viele Feinde schuf, liegt auf der Hand. Sein reichhaltiger Briefwechsel, der im Archive der Großloge "Zur Sonne" in Bayreuth verwahrt wird, zeigt, daß er mit allen führenden Freimaurern seiner Zeit in ständigem fruchtbarem Gedankenaustausch lebte. Im Jahre 1860 regte er gemeinsam mit dem Schweizer Freimaurer Schauberg die Gründung des Vereins deutscher Freimaurer an, die am 19. Mai 1861 Wirklichkeit wurde. Er war durch 17 Jahre der treffliche Geschäftsführer des Vereins, auf ihn geht neben vielen anderen Schöpfungen auch die Herausgabe der Jahrbücher zurück. 1878 trat er aus dem Verein aus. Für seine Zeit ungeheures Aufsehen erregte die 1861 bis 1862 erstmals erschienene Geschichte der Freimaurerei, der eine Fülle weiterer Schriften und zahlreiche Neuauflagen und Übersetzungen folgten. "Die Grundsätze der Freimaurerei im Völkerleben" und "Der freimaurerische Gedanke und seine Berechtigung" wurden vom Großorient von Belgien mit dem Peeters-Baertsoen-Preis ausgzeichnet. Im Auftrage des V.d.F. unternahm F. eine Reise nach England, wo es ihm auf Grund genauer Archivstudien gelang, die Unechtheit der Yorker Urkunde nachzuweisen. Seinem unruhigen Kopf entsprang 1884 die Idee des Lessingbundes, gegen den sich die deutschen Großlogen auf dem Großlogentag 1885 entschieden aussprachen. Der Bund hatte namentlich in Glaubensdingen sehr ausgesprochen radikale Tendenzen und wollte die Logen unter dem Schlagwort "erhöhte planmäßige Werktätigkeit" mit der Besprechung politischer und religiöser Fragen belasten. Nachdem die Großlogen ihren Mitgliedern die Beteiligung verboten hatten, stellte der lessingbund 1891 seine Tätigkeit ein. Im gleichen Jahre trat F. die "Bauhütte" an eine von Brr. gebildete Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M. ab. Allgemeines Aufsehen erregte er dann wieder, als er 1896 den Schwindeleine Marghiottas und Leo Taxils mit den scharfen Gegenschriften "Katholischer Schwindel", "Die Germania und der Gockelhahn des Teufels Bitou", "Die katholische Klerisei auf der Leimrute" entgegentrat und dadurch zur Aufdeckung der Taxiliade den entscheidenden Anstoß gab. Neben seiner ausgiebigen literarischen Tätigkeit gab F. seit 1895 die "Signale für die deutsche Maurerwelt" von van Dalen heraus. Für die Anerkennung der Negerfreimaurer Amerikas setzte er sich lebhaft ein und worde von der Prince Hall-Großloge in Boston zum Ehren-Großmeister ernannt.
F., eine reich begabte, schöpferische, furchtlose, unabhängige, selbstlose Persönlichkeit, war doch ein unglücklicher Mensch, der unter der Fuchtel seines cholerischen Temperaments stand. Geleitet von einem gewaltigen Freiheitsdrang, kämpfte er hemmungslos nach allen Seiten; namentlich sein Streit gegen die Hochgrade (vor allem der Großen Landesloge) kannte keine Grenzen. Wirkliche und eingebildete Feindschaften verbitterten ihm sein Leben, das auch sonst an Fehlschlägen reich war. Auf seine Zeit hat er nachhaltigen Eindruck ausgeübt; vieles von dem, was er geschaffen, hat bleibenden Wert behalten. Aus dem Bilde der Freimaurerei ist er nicht wegzudenken. Seine Schriften vergl. Bibliographie von Wolfstieg.

© Mit freundlicher Genehmigung der F.A.Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München. www.herbig.net
Entnommen aus: Eugen Lennhoff / Oskar Posner / Dieter A. Binder:: Internationales Freimaurerlexikon. Nachdruck der Ausgabe 1932. Sonderdruck München 2003. ISBN: 3-7766-2161-3 19,90 €

Das litterarische Leipzig
Illustriertes Handbuch
der
Schriftsteller- und Gelehrtenwelt, der Presse
und des Verlagsbuchhandels in Leipzig
Leipzig, 1897
Verlag von Walther Fiedler

Findel, Gottfr. Jos. G a b r i e l, geb. am 21. Oktober 1828 (1827?) zu Kupferberg in Oberfranken, besuchte 1848 die Universität München , beteiligte sich an der politischen Bewegung, wurde inhaftiert, nach zehnmonatlicher Haft begnadigt, widmete sich dann in Heidelberg dem Buchhandel und siedelte 1857 nach Leipzig über, wo er zuerst Mitredakteur der "Illustrierten Zeitung" wurde und darauf 1858 mit der freimaurerischen Zeitung "Die Bauhütte" ein eigenes Verlagsgeschäft gründete. F. war 33 Jahre lang Herausgeber der "Bauhütte".



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